Brille auf, Hörunterstützung an: EssilorLuxottica legt mit Nuance Audio Plus nach

Pünktlich zum 70. Internationalen Hörakustiker Kongress legt EssilorLuxottica bei seiner Hörbrille nach. Die Nuance Audio Plus soll gegenüber der ersten Generation nicht nur besser verstärken und Sprache im Lärm klarer herausarbeiten, sondern auch rund zehn Stunden Akkulaufzeit bieten. Hinzu kommen neue Fassungen, fünf Farben, Bedienelemente direkt am Bügel und Telefonate per Doppeltipp. Die zweite Generation zeigt damit: Die Hörbrille will nicht länger als ungewöhnliches Randprodukt gelten, sondern als diskrete Alternative für Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust.

Nuance Audio Plus: Der richtige Zeitpunkt für die zweite Generation?

Ob der Marktstart unmittelbar vor dem Kongress bewusst gewählt wurde, darüber lässt sich spekulieren. Auffällig ist er allemal. Während sich Hörakustiker in Nürnberg über neue Hörsysteme, KI Funktionen und Versorgungsmodelle austauschen, stellt EssilorLuxottica eine Lösung in den Mittelpunkt, die bewusst an der Schnittstelle von Augenoptik und Hörakustik arbeitet.

Die Nuance Audio Plus richtet sich an Erwachsene mit wahrgenommenem leichtem bis mittlerem Hörverlust. Sie kombiniert Brillenfassung und Hörunterstützung, ohne dass hinter dem Ohr ein klassisches Hörsystem sichtbar wird. Mikrofone erfassen die Umgebung, gerichtete Mikrofone und Beamforming sollen Gespräche vor dem Träger stärker in den Fokus rücken. Die Lautsprecher sitzen offen in den Bügeln.

Das ist neu bei der Nuance Audio Plus

Im Kern bleibt die Nuance Audio Plus eine Hörbrille mit Open Ear Konzept. Neu ist vor allem, was EssilorLuxottica aus dieser Plattform herausholen will. Der Hersteller verspricht eine stärkere Verstärkung, mehr Sprachklarheit in geräuschvollen Situationen und eine natürlichere Wahrnehmung der eigenen Stimme. Laut Produktinformation soll die Audioleistung um 30 Prozent zulegen.

Auch die Akkulaufzeit wurde verbessert. Statt bis zu acht Stunden bei der Vorgängergeneration sollen unter durchschnittlichen Nutzungsbedingungen rund zehn Stunden möglich sein. Das entspricht laut Hersteller einem Plus von 25 Prozent. Geladen wird die Hörbrille standardmäßig über ein Charging Pad und ein USB C Kabel. Ein Charging Case für unterwegs ist separat erhältlich.

Darum wandert die Bedienung an den Brillenbügel

Die erste Nuance Audio setzte für Einstellungen stark auf die App. Bei der Plus Version sollen Träger wichtige Funktionen schneller direkt an der Fassung erreichen. Ein separater Schalter aktiviert die Hörunterstützung. Mit Tasten an den Bügeln lässt sich die Verstärkung in fünf Stufen regulieren.

Wer die Hörbrille eingeschaltet lässt, kann sie laut Hersteller außerdem durch Ein und Ausklappen der Bügel aktivieren oder deaktivieren. Ergänzend bleibt die Nuance Audio App relevant. Sie bietet zwei Audio Modi, vier Verstärkungsvoreinstellungen und drei Stufen der Geräuschreduktion.

Telefonieren per Doppeltipp, aber nicht für alle

Eine der sichtbarsten Neuerungen ist die Telefonfunktion. Per Doppeltipp sollen Anrufe direkt über die Hörbrille angenommen oder beendet werden können. Das kann die Brille im Alltag deutlich näher an klassische Wearables rücken.

Allerdings gilt diese Funktion derzeit nur in Verbindung mit einem iPhone ab iOS 16. Die Hörbrille ist als MFi Gerät für Sprachanrufe zertifiziert. Für Android Nutzer bleibt dieser Teil des Funktionsversprechens vorerst außen vor.

Drei Fassungen und fünf Farben für den Alltag

Bei Fassungen und Farben baut EssilorLuxottica die Auswahl deutlich aus. Zum Start stehen die Modelle Square 53, Panthos 48 und Upturn 52 bereit. Während Square eher klassisch und kantig ausfällt, bringt Panthos eine rundere Form mit. Upturn erweitert das Angebot um eine stärker feminine Silhouette.

Erhältlich ist die Nuance Audio Plus in Schwarz Glänzend, Burgunder Glänzend, Tiefblau, Bernstein und Olivgrün. Zusätzliche Größen, ein universelles Fitting und bei ausgewählten Modellen verstellbare Nasenpads sollen die Passform verbessern. Die Brillen lassen sich mit allen Arten optischer Gläser konfigurieren, auch mit Transitions Gläsern. Damit wird aus dem Hörprodukt zugleich eine vollwertige Korrektionsbrille.

Preis: Hörbrille beginnt bei 899 Euro

In Deutschland startet die Nuance Audio Plus laut veröffentlichten Angaben bei 899 Euro. Der finale Preis hängt von der gewählten Glasversorgung ab und kann bei Korrektions oder Transitions Gläsern entsprechend höher ausfallen. Die bisherige Nuance Audio Hörbrille soll weiterhin im Sortiment bleiben und startet bei 770 Euro.

Vertrieben wird die zweite Generation über autorisierte Augenoptiker und Hörakustiker. Das ist strategisch nachvollziehbar, denn die Brille verlangt nicht nur eine passende Sehstärkenversorgung. Auch die Erwartungen an Hörunterstützung, Nutzen im Störschall und Grenzen des Open Ear Konzepts müssen im Beratungsgespräch realistisch eingeordnet werden.

Die Hörbrille braucht klare Beratung

Die Nuance Audio Plus ist kein Ersatz für jede klassische Hörgeräteversorgung. Sie zielt auf Menschen, die erste Hörprobleme wahrnehmen oder eine diskrete, unkomplizierte Unterstützung suchen. Gerade für Kunden, die eine klassische Hörlösung noch scheuen, könnte die Verbindung aus Sehhilfe und Hörtechnik eine niedrigschwellige Option sein.

Für Hörakustiker entsteht daraus zugleich ein Beratungsthema, das stärker mit der Augenoptik verzahnt ist als viele bisherige Produkte. Entscheidend wird sein, die technischen Vorteile nicht mit einem Heilversprechen zu überladen. Mehr Verstärkung, bessere Sprachklarheit und längere Laufzeit sind relevante Fortschritte. Wie stark der einzelne Träger davon profitiert, hängt jedoch weiterhin von Hörverlust, Hörumgebung, Erwartungshaltung und Fitting ab.

Mehr Reife, aber sicher keine Universalantwort

Die Nuance Audio Plus wirkt weniger wie ein radikaler Neuanfang als wie die konsequente Reifung eines spannenden Konzepts. Mehr Audioleistung, rund zehn Stunden Akkulaufzeit, direktere Bedienung und eine sichtbar breitere Fassungsauswahl adressieren genau die Punkte, an denen eine Hörbrille im Alltag überzeugen muss. EssilorLuxottica macht damit einen wichtigen Schritt. Die zweite Generation dürfte die Hörbrille für Kunden attraktiver machen, die keine Hörsysteme tragen möchten und ohnehin auf eine Korrektionsbrille angewiesen sind. Für die anspruchsvolle Hörversorgung bleibt sie jedoch keine Universallösung. Ihr Potenzial liegt nicht darin, klassische Hörsysteme zu ersetzen, sondern definitiv darin, einen neuen, optisch wie akustisch interessanten Zugang zur Hörunterstützung zu eröffnen. Wie das gelebt wird, sieht man in den Apollo-Filialen.

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