Hörgesundheit neu definiert!
Qualitätskriterien für mehr Hörgesundheit
Im Rahmen der Qualitätsoffensive Hörgesundheit hat unser Netzwerk Qualitätskriterien für eine evidenzbasierte Hörgeräte-Versorgung entwickelt. Der Krankenkassen Standard jeder Hörgeräte-Versorgung (PräQ, Fachpersonal, Leistungskatalog, etc.) werden um die nachfolgenden Kriterien erweitert. Alle Netzwerk Partner die das "Qualitätssiegel Hörgesundheit" tragen möchten, verpflichten sich dazu diese Qualitätskriterien in Ihren Fachgeschäften zu kultivieren. Mit dem Angebot von KI, Software, Präsenz-, Online-Schulungen, Erfa-Gruppen und Events unterstützt das Netzwerk Hörgesundheit Hörakustik-Unternehmen dabei diesen hohen Qualitätsstandard umzusetzen.
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Die Qualitätskriterien werden von uns in einem laufenden Prozess überarbeitet. Dazu sammeln wir fachliche Rückmeldungen von Ärzten, Wissenschaftler und Praktikern aus dem Hörakustik Alltag. Sie haben einen Kommentar?
Dann senden Sie uns diesen gern an:
partner@netzwerk-hoergesundheit.de
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Die Qualitätskriterien des Netzwerk Hörgesundheit
1. Fördern des bestmöglichen Sprachverstehens (65/65)
Was ist das Ziel?
- Das Ziel der Versorgung anpassen. Der Betroffene sollte nicht nur bei 60 db Störschall (Rauschen) und 65 db Nutzschall (Sprache) gut verstehen.
- Eine realistische Alltagssituation im Restaurant oder auf der Familienfeier, wo Nutzschall (z.B. Sprache) und Störschall (sprachsimulierter Störschall) gleich hoch sind (65/65), sollte der Anspruch sein.
Warum ist es wichtig?
- Alltagssituationen erfordern gutes Sprachverstehen in lauten Umgebungen. Hier liegen meist die Hauptprobleme der Betroffenen.
- Da die Vorgaben der Krankenkassen es zulassen, dass schon bei einer Verbesserung von 10% besserem Sprachverstehen bei (65/60), abgerechnet wird, belassen es viele Hörakustiker auch dabei.
Wie wird es erreicht?
- Durch Erreichen einer dem tatsächlichen Bedarf des Betroffenen entsprechenden Hörgeräte-Einstellung. (am besten eine schwellennahe Hörgeräteversorgung siehe 2.)
- Kontrolle durch Freiburger Einsilbertest zur Messung des Sprachverstehens (65/65).
Achtung bei manchen Hörverlusten ist eine ausreichende schwellennahe Hörgeräteversorgung nicht zu erreichen. So z.B. starke Hochtonhörverluste, asymmetrische und an Taubheit grenzende Hörminderungen.
2. Eine schwellennahe Hörgeräteversorgung für das Optimum an benötigter Lautstärke
Was ist das Ziel?
- Die Begleitung und die Anpassung der Hörgeräte, wird so aufgebaut, dass der Betroffene versteht warum eine schwellennahe Hörgeräteversorgung sein maximales Hörpotenzial (dBopt.) entfaltet.
- Ab Abschluss der Versorgung sollte mindestens ein Hörprogramm die schwellnahe Verstärkung enthalten.
- Der Betroffene hat verstanden, dass mit dieser Verstärkung Sprache im Störgeräusch am besten verstehen kann.
Warum ist es wichtig?
- Viele Betroffene empfinden eine schwellennahe Hörgeräteversorgung zunächst als ungewohnt bzw. zu laut und fordern den Hörakustiker auf die Hörgeräte leiser zu stellen.
- Da der Hörakustiker seinem Kunden nicht widersprechen möchte, stellen viele es dann einfach leiser, ohne auf den Zusammenhang mit dem optimalen Sprachverstehen aufmerksam zu machen.
- Am Ende erleben viele Betroffene, dass Ihnen das Hörgerät in einer lauten Umgebung (z.B. Restaurant, oder Familienfeier) nicht helfen kann und nutzen es nicht.
- Eine mögliche Folge: Das Sprachverstehen mit Hörgerät ist so niedrig, dass eine Indikation für Cochlear Implantate diagnostiziert wird, obwohl das Potenzial der Hörgeräte nicht voll genutzt wird.
Wie wird es erreicht?
- Es gibt einige Wege dieses Ziel zu erreichen. Wir führen hier beispielhaft eine Versorgungsmethode auf, die wissenschaftlich untersucht und bestätigt wurde.
- Einer einfühlsamen Beratung, dem ernst nehmen vom Verlust der Hörfähigkeit und dem setzen von realistischen Erwartungen am Anfang der Versorgung.
- Mit einer schwellennahe Hörgeräte Verstärkung und validierten Anpassalgorithmen (z. B. DSL v5)
- Auditives Training des Gehirns. Am besten durch ein strukturiertes und validiertes Hörtraining.
- Mit einer objektiven Kontrolle der Verstärkung (Schwellennahe Kontrolle) (REM siehe 5.)
ACHTUNG: Der Betroffene muss manchmal langsam an eine schwellennahe Hörgeräte-Lautstärke herangeführt werden. Durch Akklimatisierung und Hörtraining.
3. Verwendung von Otoplastiken
Was ist das Ziel?
- Reduktion von Rückkopplungen und Stabilisierung der Klangqualität.
- Erhöhung des Tragekomforts und der Hörgeräteeffizienz.
Warum ist es wichtig?
- Präzise und stabile wirksame Hörgeräteeinstellungen sind nur mit Otoplastiken möglich.
- Geschlossene Systeme minimieren Rückkopplungen und bieten bessere Klangqualität.
- Schallübertragung an das Trommelfell kann durch Otoplastiken immer gleich gut gewährleistet werden.
Wie wird es erreicht?
- Individuelle Anpassung der Otoplastiken an anatomische Gegebenheiten.
- Auswahl geeigneter Materialien bei medizinischen Einschränkungen.
- Einwandbehandlung, sollte der Betroffene die Otoplastik ablehnen.
4. Hörtraining für das Gehirn (Hilfe zur Selbsthilfe)
Was ist das Ziel?
- Das Ziel ist die Optimierung der zentralauditiven Verarbeitung, um die kognitive Belastung (Listening Effort) zu senken und die Selektionsfähigkeit des Gehirns im Störgeräusch zu reaktivieren.
- Ein Hörtraining hilft Betroffenen dabei die optimale Hörgeräte-Verstärkung (dBopt.) zu akzeptieren und gut zu verarbeiten, ohne das Störgeräusche zu laut klingen.
- In einfach: Das Gehirn wird darauf trainiert selbstständig wichtige Sprache von störendem Lärm zu unterscheiden. Das Gehirn wird in Harmonie mit den Hörgeräten gebracht.
Warum ist es wichtig?
- Das Ohr ist nur der „Empfänger“, aber Sprachverstehen ermöglicht das Gehirn. Wer lange schlecht gehört hat, dessen Gehirn hat das „Zuhören“ schlicht verlernt.
- Ohne Training bleibt die Welt trotz Hörgerät oft anstrengend, da Technik allein die verlorene Merkfähigkeit, Konzentration und Aufmerksamkeit nicht ersetzen kann.
- Ein professionelles Hörtraining bekämpft den „Deprivations-Effekt“ und gilt laut aktueller Forschung (z. B. Lancet Commission) als entscheidender Faktor zur Prävention kognitiver Einschränkungen und Demenz.
Wie wird es erreicht?
- Durch kurze, regelmäßige Hörübungen im Alltag, die gezielt die Verbindung zwischen Ohr und Gehirn stärken.
- Dieser Mix aus Technik und Training sorgt dafür, dass sich die Nervenzellen neu vernetzen oder Verbindungen wieder stabilisieren, die für entspanntes Hören und Verstehen von großer Bedeutung sind.
- Am besten funktioniert eine strukturierte Kombination aus top-down (z.B. kognitive Strategien) und bottom-up (z.B. phonetische Differenzierung) Übungen. Idealerweise findet das Training digital gestützt im häuslichen Umfeld mit angepassten Hörgeräten statt.
5. Objektive Kontrolle der schwellennahen Hörgeräteversorgung (REM)
Was ist das Ziel?
- Eine objektive Kontrolle, ob die Verstärkung, die in die Hörgeräte einprogrammiert wurde, auch wirklich die Verstärkung ist, die am Trommelfell des Betroffenen ankommt.
Warum ist es wichtig?
- Jeder Gehörgang ist individuell und hat Krümmungen, welche die Schallwellen verändern, die von den Lautsprechern der Hörgeräte ausgegeben werden.
- Selbst wenn Hörakustiker die Hörgeräte optimal programmieren, kann es somit dazu kommen, dass die unvollständige Signale das Trommelfell erreichen.
- Evidenzbasierte Anpassungen stärken das Vertrauen der Betroffenen zwischen, Hörakustiker, HNO und Krankenkassen.
- Es führt zu einer höheren Zufriedenheit der Betroffenen (auch nach 6-12 Monaten) und führt zu weniger Rückläufen.
Wie wird es erreicht?
- Percentilanalyse mit validierten Anpassalgorithmen (z. B. DSL v5)
- Insitu-Messung zur Überprüfung der Verstärkung.
- Betroffene in der Beratung realistisch auf das Tragen der Hörgeräte vorbereiten.
6. Jährliche Kontrolle der aktuellen Hörleistung
Was ist das Ziel?
- Langfristiger Erhalt des optimalen Sprachverstehens durch jährliche Kontrolle (65/65 - dBopt).
- ≥90 % Zufriedenheit durch effektive Nachsorge und Qualitätskontrolle.
Warum ist es wichtig?
- Auch das Gehör wird über die Zeit langsam schlechter. Ähnlich wie die Sehschärfe, oder die Haut, die Falten wirft.
- Daher erfordert eine optimale Hörgeräte-Versorgung kontinuierliche Kontrollen. Am besten alle 1-2 Jahre.
Wie wird es erreicht?
- Regelmäßige Überprüfung der Hörsituation mit Messungen bei (65/65) und gegebenenfalls Nachjustierung der Hörgeräte in Richtung einer dBopt. Verstärkung
- Umfragen und Feedbacktools zur Messung der Patientenzufriedenheit.
- Hörgesundheitsreise als andauernder Prozess begreifen.
- Nicht als Momentaufnahme, der Betroffene wird aktiv beteiligt und zu regelmäßiger Überprüfung angeleitet.
7. Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Was ist das Ziel?
- Ein ganzheitliches Versorgungsnetzwerk vor Ort, um Hörgesundheit für alle (auch für komplexe Hörprobleme) zu ermöglichen.
- Etablierung der Netzwerk Hörgesundheit Partner als erste Anlaufstelle für andere Fachdisziplinen im Hörgesundheitswesen.
Warum ist es wichtig?
- Komplexe Hörprobleme erfordern die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen.
- Vernetzung stärkt die Qualität der Versorgung, das Vertrauen in die lokalen Netzwerke vor Ort.
Wie wird es erreicht?
- Sensibilisierung des eigenen Netzwerks vor Ort durch Broschüren für HNO-Ärzte, Psychologen, Logopäden, Kliniken und weiterer Fachgruppen.
Die Qualitätskriterien des Netzwerk Hörgesundheit
Inhaltlich verantwortlich:
audoora GmbH, Im Mediapark 5, 50670 Köln