
Cochlear überträgt CI-Nachsorge vollständig an Hörakustiker
Cochlear baut die Rolle der Hörakustik-Partner in der Nachsorge von Cochlea-Implantat-Trägern deutlich aus. Wie der Hersteller in einer aktuellen Pressemitteilung bekannt gibt, übernehmen die rund 400 spezialisierten Hörakustiker im bundesweiten Cochlear-Netzwerk künftig nahezu die gesamte produktbezogene Nachsorge – von der Fehlersuche über technischen Support bis zu Reparaturen und dem Austausch von Komponenten. Bislang liefen mehr als 60 Prozent dieser Leistungen über den werkseigenen Kundendienst am Firmensitz in Hannover.
Die Umstellung ist bereits zum Jahreswechsel 2025/2026 erfolgt, nach einer einjährigen Pilotphase mit begleitenden Kundenzufriedenheitsbefragungen. “Unser Konzept ist erfolgreich. Es läuft sogar besser, als wir selbst erhofft und erwartet hatten”, wird Markus Ludwig, Leiter des Cochlear Kundenservice, zitiert. Ziel sei es, dass jeder Nutzer eines Cochlear-Implantats einen spezialisierten Hörakustiker in maximal 30 Kilometern Entfernung zum Wohnort findet – ein Anspruch, den der Hersteller nach eigenen Angaben in den meisten Regionen Deutschlands bereits erfüllt.
Wer die Firmengeschichte der letzten Jahre verfolgt, erkennt die konsequente Fortsetzung eines Kurses, den Cochlear bereits 2023 eingeschlagen hat. Damals startete der Hersteller unter dem Namen “Connected Care” ein Programm, das Patientendaten aus Klinik, Hörakustik-Fachgeschäft und der App des Soundprozessor-Nutzers zusammenführen sollte – mit dem erklärten Ziel, Hörakustiker fester in die CI-Versorgung einzubinden. Die jetzige Verlagerung der Nachsorge ist der nächste konsequente Schritt in diese Richtung.
Parallel zur Service-Verlagerung hat Cochlear im April 2026 ein weiteres Programm gestartet, das ins Gesamtbild passt: ein Kooperationsmodell, bei dem der freie Hörakustik-Fachhandel finanziell vergütet wird, wenn er potenzielle CI-Kandidaten an Cochlear vermittelt. In der Summe verfolgt der Hersteller damit aktuell eine klare Doppelstrategie gegenüber dem Hörakustik-Kanal: mehr Verantwortung (Nachsorge) auf der einen, mehr finanzieller Anreiz (Lead-Vergütung) auf der anderen Seite.
Dass die Aufgabenteilung zwischen Herstellern, Kliniken und Hörakustikern bei der CI-Nachsorge derzeit branchenweit diskutiert wird, zeigt auch eine Fortbildungsreihe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) für niedergelassene HNO-Ärzte im Jahr 2026. Ein eigener Programmpunkt widmet sich dort ausdrücklich der Frage, wie sich die Patientennachsorge verbessern lässt – mit Beiträgen von Cochlear, dem Mitbewerber MED-EL und dem Hörakustik-Konzern KIND. Die aktuelle Entscheidung von Cochlear reiht sich damit in eine größere Debatte ein, wie CI-Nachsorge in Zukunft organisiert werden sollte, und ist kein Alleingang eines einzelnen Herstellers.
Für Hörakustiker im Cochlear-Netzwerk dürfte die Neuausrichtung vor allem eines bedeuten: mehr laufendes Geschäft durch regelmäßige Nachsorgetermine, gleichzeitig aber auch höhere Anforderungen an technisches Know-how und Kapazitäten im eigenen Betrieb, da Aufgaben übernommen werden müssen, die bislang zentral in Hannover erledigt wurden. Cochlear selbst verspricht dafür schnellere Lieferzeiten (48 Stunden bei Online-Bestellungen) und ein unverändert großes, aber umgewidmetes Serviceteam, das sich künftig auf die Unterstützung der Partner konzentriert statt auf die direkte Endkundenbetreuung.
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