Batteriehersteller Varta meldet Insolvenz an – aber warum? Und was bedeutet das für Hörgerätebatterien?

Die Nachricht sorgt auch in der Hörakustikbranche für Aufmerksamkeit: Der deutsche Batteriehersteller Varta hat für die Konzernmutter sowie mehrere Tochtergesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Für viele Hörakustiker und deren Kunden stellt sich damit unmittelbar die Frage, wie es künftig um die Hörgerätebatterien steht.

Bild: VARTA

Die wichtigste Nachricht vorweg: Nach aktuellem Stand ist die Versorgung mit Varta-Hörgerätebatterien nicht gefährdet. Zwar gehört der Geschäftsbereich für Hörgerätebatterien zur VARTA Microbattery GmbH, die vom Insolvenzverfahren betroffen ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass Produktion oder Lieferungen eingestellt werden. Das Unternehmen hat angekündigt, den Geschäftsbetrieb während des Verfahrens uneingeschränkt fortzuführen. Kurzfristige Auswirkungen auf die Lieferfähigkeit sind daher derzeit nicht zu erwarten.

Warum musste Varta überhaupt erneut Insolvenz anmelden?

Dass ausgerechnet Varta in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, wirkt zunächst überraschend. Schließlich gehört das Unternehmen seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Batterieherstellern Europas. Tatsächlich hat sich das Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren jedoch stark verändert. Neben klassischen Batterien setzte Varta zunehmend auf hochwertige Lithium-Ionen-Knopfzellen für Unterhaltungselektronik – allen voran die CoinPower-Zellen für Apples AirPods.

Dieses Geschäft entwickelte sich zunächst zum Wachstumsmotor. Um die hohe Nachfrage bedienen zu können, investierte Varta massiv in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten. Als Apple seine Aufträge schrittweise an andere Zulieferer vergab und die Fertigung schließlich nach Asien verlagerte, verlor Varta einen seiner wichtigsten Kunden. Die eigens dafür aufgebaute Produktion in Nördlingen konnte anschließend nicht mehr ausreichend ausgelastet werden.

Der Wegfall dieses Großkunden war jedoch nur ein Teil der Probleme. Nach Unternehmensangaben belasteten außerdem eine schwächere Nachfrage, schwierige Marktbedingungen und negative Wechselkurseffekte das Geschäft. Hinzu kamen komplexe Konzernstrukturen, die eine nachhaltige Sanierung erschwerten. In der aktualisierten Unternehmensplanung zeigte sich schließlich eine Finanzierungslücke für die kommenden Jahre. Deshalb entschied sich das Management für ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

Welche Bereiche sind betroffen?

Die aktuelle Insolvenz betrifft nicht den gesamten Varta-Konzern gleichermaßen. Der Geschäftsbereich VARTA Consumer Batteries, der klassische Haushaltsbatterien wie AA-, AAA- oder 9-Volt-Batterien vertreibt, ist von der Insolvenz ausgenommen und arbeitet eigenständig weiter.

Anders verhält es sich bei der VARTA Microbattery GmbH. Zu diesem Geschäftsbereich gehören unter anderem Hörgerätebatterien sowie weitere Mikrobatterien für industrielle Anwendungen. Diese Gesellschaft ist Teil des Insolvenzverfahrens.

Für Kunden bedeutet das allerdings nicht automatisch Einschränkungen. Da das Verfahren in Eigenverwaltung durchgeführt wird, sollen Produktion und Auslieferung zunächst unverändert weiterlaufen. Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und eine langfristige Sanierung beziehungsweise Neuaufstellung des Unternehmens zu ermöglichen.

VARTA: Wie geht es nun weiter?

Bemerkenswert ist, dass Varta erst vor weniger als zwei Jahren umfassend restrukturiert worden war. Die damaligen Maßnahmen reichten jedoch offenbar nicht aus, um das Unternehmen dauerhaft zu stabilisieren. Während des Insolvenzverfahrens bleibt die Unternehmensführung im Amt und arbeitet gemeinsam mit einem gerichtlich bestellten Sachwalter an einer Sanierung.

Parallel wird über die zukünftige Struktur des Unternehmens diskutiert. Beobachter gehen davon aus, dass einzelne Geschäftsbereiche künftig stärker voneinander getrennt aufgestellt oder an Investoren veräußert werden könnten. Welche Auswirkungen dies langfristig auf die Marke Varta und ihre verschiedenen Produktbereiche haben wird, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.

Für Hörakustiker ist vor allem eines wichtig: Varta-Hörgerätebatterien stammen aus einem Geschäftsbereich, der vom Insolvenzverfahren betroffen ist. Nach aktuellem Stand gibt es jedoch keine Hinweise auf Lieferengpässe oder einen Produktionsstopp. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung dient gerade dazu, den laufenden Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und das Unternehmen neu aufzustellen. Kurzfristig besteht daher kein Anlass, mit Einschränkungen bei der Versorgung zu rechnen. Wie sich die langfristige Eigentümer- und Konzernstruktur entwickelt, wird sich erst im weiteren Verlauf des Sanierungsverfahrens zeigen.

Quellen:  https://www.varta-ag.com/de/ueber-varta/news-presse/details/varta-ag-stellt-antrag-auf-insolvenzverfahren-in-eigenverwaltung 



 https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-batteriehersteller-varta-stellt-insolvenzantrag-100.html 



 https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/varta-batterien-insolvenzantrag-100.html 



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