Studie zu Lärmschutz: Verkehrslärm könnte Parkinson-Risiko erhöhen

Straßenverkehrslärm gilt seit Langem als Gesundheitsrisiko. Bisher standen dabei vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Schlafstörungen im Mittelpunkt. Eine aktuelle dänische Langzeitstudie deutet nun darauf hin, dass dauerhafte Lärmbelastung auch mit einem erhöhten Parkinson-Risiko in Zusammenhang stehen könnte.

Bild: ©  Roger Victorino  /  Unsplash 

Mehr als drei Millionen Menschen untersucht: Dänische Kohortenstudie liefert neue Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Straßenlärm & Parkinson

Für die im Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichte Kohortenstudie werteten Forschende aus Dänemark Daten von mehr als 3,1 Millionen Menschen aus. Eingeschlossen wurden Personen ab 40 Jahren, die zu Beginn der Beobachtung zwischen den Jahren 2000 und 2017 noch keine Parkinson-Diagnose hatten. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 13 Jahre. Während dieses Zeitraums erkrankten 20.587 Teilnehmende an Parkinson.

Die Wissenschaftler berechneten auf Basis der vollständigen Wohnhistorie die durchschnittliche Verkehrslärmbelastung der vergangenen zehn Jahre. Dabei berücksichtigten sie sowohl die am stärksten als auch die am wenigsten belastete Hausseite und kontrollierten zudem verschiedene Einflussfaktoren wie Luftverschmutzung, Grünflächen und sozioökonomische Merkmale.

Parkinson-Risiko durch Verkehrslärm: Schon moderate Lärmanstiege standen mit mehr Erkrankungen in Verbindung

Die Auswertung zeigte: Mit steigender Lärmbelastung an der am stärksten exponierten Gebäudeseite nahm auch das Parkinson-Risiko zu. Für jeden Anstieg um rund 11,5 Dezibel erhöhte sich das Erkrankungsrisiko um etwa drei Prozent. Wurde zusätzlich berücksichtigt, ob eine ruhigere Gebäudeseite vorhanden war, verstärkte sich der Zusammenhang leicht. Auch an der ruhigsten Hausseite zeigte sich eine statistisch signifikante Risikoerhöhung: Pro zusätzlichem Lärmzuwachs von rund 8,9 Dezibel stieg das Risiko um etwa vier Prozent.

Lärmschutz: Warum eine ruhige Hausseite offenbar schützt

Besonders bemerkenswert ist der Befund zur sogenannten ruhigen Hausseite: Als solche definierten die Forschenden eine Gebäudeseite, die mindestens zehn Dezibel leiser ist als die dem Verkehr zugewandte Fassade. Diese ruhigere Seite wirkte in der Studie wie ein möglicher Schutzpuffer, vor allem in Wohngebäuden mit einer Lärmbelastung von mehr als 50 Dezibel.

Die Autoren vermuten, dass Bewohner dort vor allem nachts besser zur Ruhe kommen und sich vom Dauerschall erholen können. Frühere Untersuchungen hatten häufig nur die lauteste Gebäudeseite betrachtet und damit den tatsächlichen Einfluss von Verkehrslärm möglicherweise unterschätzt.

Wie chronischer Lärm Schlaf, Stress und das Nervensystem belasten könnte

Einen ursächlichen Zusammenhang kann die Beobachtungsstudie nicht belegen. Dennoch gilt der Befund als biologisch plausibel: Dauerhafter Verkehrslärm kann den Schlaf beeinträchtigen und anhaltende Stressreaktionen auslösen. Beides wird seit Längerem mit neurodegenerativen Prozessen in Verbindung gebracht.

Hinzu kommt, dass chronischer Lärm nach bisherigen Erkenntnissen neuroinflammatorische Prozesse und oxidativen Stress verstärken könnte. Diese Mechanismen werden auch bei der Entstehung von Parkinson diskutiert. Die beobachteten Zusammenhänge blieben laut den Autoren unabhängig von Geschlecht, Einkommen, Bildung, Lebenssituation und Bevölkerungsdichte bestehen.

Die Studie liefert damit wichtige Hinweise für Umweltmedizin, Stadtplanung und Prävention. Auch wenn ein direkter Kausalnachweis noch fehlt, unterstreichen die Ergebnisse, dass Verkehrslärm nicht nur als Belästigung, sondern als relevanter Umweltfaktor für die langfristige Gesundheit betrachtet werden sollte.

Dauerhafte Lärmbelastung kann Schlaf, Konzentration und Wohlbefinden beeinträchtigen. Sollte sich der Zusammenhang mit Parkinson in weiteren Studien bestätigen, würde das die Bedeutung wirksamer Lärmprävention zusätzlich stärken.

Zur Studie:  Sørensen M, Poulsen AH, Raaschou-Nielsen O, et al. Road Traffic Noise, Noise Difference Between Residential Facades, and Risk of Parkinson Disease. JAMA Neurol. Published online July 20, 2026. 

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