Vom Hörgerät zum Smart Device: Der Praxis-Check für Starkeys KI-Tools

Smartphones regieren den Alltag, Kaffeemaschinen kennen unsere Vorlieben, und selbst der Kühlschrank denkt mit. Warum sollte ausgerechnet das Gehör bei dieser digitalen Personalisierungswelle außen vor bleiben? Wie wichtig dieser Trend ist und wie er zum echten, umsatzsteigernden Verkaufsargument für Hörakustiker werden kann, zeigten wir im Artikel “ Megatrend Personalisierung: Wissenschaft und Hörakustik-Praxis “. Starkey hatte bereits auf dem letzten EUHA-Kongress mit dem Omega AI ein starkes Versprechen abgegeben. Uns hat fasziniert, wie flexibel diese Systeme im Alltag auf situative Bedürfnisse der Nutzer reagieren. Im Zentrum unseres Praxistests standen zwei Werkzeuge der MyStarkey App, die dem Träger beachtliche Kontrolle bieten: TeleHear AI und EdgeMode+. Wie gut das funktioniert, zeigt unser Test.

Verkehrschaos am Nürnberger Bahnhofsvorplatz: Der ideale Ort, um die KI-Features von Starkey auszuprobieren.

TeleHear AI von Starkey setzt auf Gespräch statt auf Schieberegler

Wir haben die beiden KI-Features von Starkey TeleHear AI und EdgeMode+ in der Nürnberger Innenstadt auf Herz und Nieren getestet – aber zunächst: Worum genau handelt es sich bei diesen Tools?

TeleHear AI im Härtetest in der Nürnberger U-Bahn.

Wer an feinteilige Soundkorrekturen denkt, hat meist komplizierte Equalizer und zahllose Frequenzregler vor Augen, die Laien eher überfordern als unterstützen. Starkey schlägt mit TeleHear AI einen denkbar smarten Weg ein und integriert einen dialogbasierten KI-Assistenten direkt in die App. Das Prinzip erinnert an ein moderiertes Gespräch – rund um die Uhr verfügbar. Tritt in einer speziellen akustischen Kulisse ein störendes Phänomen auf, schildert der Träger sein Anliegen im Freitext oder wählt passende Beschreibungen aus.

Die künstliche Intelligenz, die auf unzähligen realen Datenmodellen professioneller Feinanpassungen basiert, verarbeitet die Eingabe und berechnet innerhalb weniger Sekunden ein maßgeschneidertes Soundprofil. Dieses lässt sich umgehend im Live-Vergleich gegen die bisherige Einstellung gegenhören. Überzeugt das Resultat, wird es nahtlos als persönliches Programm übernommen. Sollte die KI im Einzelfall dennoch an ihre Grenzen stoßen, ebnet die Anwendung auf Wunsch den direkten Weg zur professionellen Unterstützung durch den betreuenden Hörakustiker. Und falls eine Anpassung im Nachhinein doch nicht ganz den Erwartungen entspricht, lässt sich das ursprüngliche Setup des Akustikers mit wenigen Klicks im Menü unverändert wiederherstellen.

EdgeMode+: blitzschnelle Klarheit in akustischen Härtefällen

Am Ehekarussell kam der EdgeMode+ zum Einsatz.

Manchmal bleibt im Alltag schlicht keine Zeit für einen kurzen Chat mit dem System, etwa wenn beim Restaurantbesuch plötzlich das Besteck klappert oder eine unerwartete Geräuschkulisse das Gespräch überlagert. Genau für solche Akutmomete haben die Entwickler den EdgeMode+ konzipiert, der gewissermaßen als akustischer Autopilot auf Knopfdruck fungiert.

Das System analysiert fortlaufend die Umgebungssignale des Trägers und nutzt dafür ein kontinuierlich arbeitendes neuronales Netzwerk. Wird die Funktion aktiviert, bewertet die Berechnungslogik augenblicklich die komplexe Schallsituation und nimmt automatische Korrekturen an der Signalverarbeitung vor. Sprachsignale werden dabei gezielt herausgearbeitet, während störende Umgebungsgeräusche oder ablenkende Frequenzen spürbar gedämpft werden. Der Träger erhält somit ohne manuelles Nachjustieren einzelner Parameter eine sofortige Optimierung des Hörerlebnisses, die exakt auf den aktuellen Moment zugeschnitten ist. Das Ziel hinter diesem Ansatz ist klar umrissen, es geht um maximale Sprachverständlichkeit und spürbare Entlastung des Gehirns genau dann, wenn die Umgebung dem Gehör am meisten abverlangt.

TeleHear AI und EdgeMode+ im Härtetest: Wie schlagen sich die KI-Features in der Nürnberger Innenstadt?

Auf einer Testroute durch die Nürnberger Innenstadt – vorbei am Ehekarussell, hinab in die U-Bahn, weiter durch die belebte Bahnhofshalle und schließlich hinaus auf den verkehrsreichen Bahnhofsvorplatz – mussten die Algorithmen unter realen Bedingungen Farbe bekennen.

Doch schon bereits beim Laufen durch die belebte Stadt fiel auf, wie verlässlich die Automatik der Hörsysteme arbeitete: Das Sprachverstehen blieb herausragend klar, ganz gleich, ob sich der Gesprächspartner seitlich oder leicht versetzt hinter dem Träger befand. Die Windgeräuschunterdrückung, die schon direkt beim Fahrradfahren nach der ersten Anpassung begeisterte, zeigte erneut selbst bei schnellen Kopfbewegungen und leichten Böen eine schnelle Reaktion und sprang nahezu sofort an.

Vor dem Springbrunnen haben selbst Normalhörende Herausforderungen beim Verstehen. Hier verwandelten vor allem der EdgeMode+ das zischende Wasserrauschen schnell in eine spürbar weichere Kulisse, ohne das Klangbild künstlich zu verfälschen. In der Bahnhofshalle dämmten beide Features die Signalverarbeitung den störenden Raumschall effektiv ein, wodurch der akustische Raum intimer wirkte und die Stimme des Gegenübers wahrnehmbar an Schärfe, Klarheit und Fokus behielt. Am Bahnhofsvorplatz wiederum wurden tiefes Motorenbrummen und Abrollgeräusche samt der vielen Personen und damit Stimmen nicht bloß stumpf leiser geregelt, sondern sie rückten akustisch in den Hintergrund, was dem Lärm die anstrengende Spitze nahm.

Für die gezielte Personalisierung überzeugte TeleHear AI dadurch, dass der Nutzer sein Klangbedürfnis einfach in natürlicher Sprache im Chat schildern konnte, woraufhin die künstliche Intelligenz binnen Sekunden eine neue Einstellung berechnete, die sich direkt im Live-Vergleich gegenhören ließ. Noch schneller ans Ziel führte im Test der EdgeMode+: Obwohl er primär für spontane Akutsituationen konzipiert wurde, bestach er durch seine Effizienz, da mit nur zwei Klicks das gewünschte Ergebnis erreicht war. Mit seinen drei Varianten zur Klangoptimierung, Anhebung der Sprache oder Senkung des Umgebungslärms hielt der Modus exakt das, was die Entwickler versprechen.

So intuitiv gelingt die Steuerung mit der App

Die MyStarkey App an sich überzeugte im Praxisalltag durch eine ausgesprochen niedrige Einstiegshürde, da sie auf unübersichtliche Menülabyrinthe verzichtet. Stattdessen gibt`s eine klar strukturierte Benutzeroberfläche mit gut lesbarer Typografie. Man ist schnell im Automatik-Programm, kann sich Tipps für die Benutzung durchlesen, hat die Anleitung immer parat.

Erfüllen diese beiden KI-Features der Omega AI-Hörsysteme von Starkey also ihr Versprechen? Unserer Meinung nach: Ja, absolut. Nicht nur sind sie leicht und selbsterklärend anwendbar, sie verändern und verbessern das Hörerlebnis auch spürbar und bieten mit ihrem unterschiedlichen Anwendungsfokus das richtige Tool für verschiedenste Szenarien.



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