Tag der Hörgesundheit 2025

Zusammenfassung der Eröffnungsrede von Prof. Dr. Marlies Knipper

Neue unglaubliche Erkenntnisse im Bereich Hörgesundheit
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Prof. Dr. Marlies Knipper, Universitätsprofessorin für Molekulare Hörphysiologie am Universitätsklinikum Tübingen, eröffnete den Tag der Hörgesundheit mit einem eindringlichen Appell: „Wenn Sie smart bleiben wollen, achten Sie auf Ihre Ohren.“ Sie positioniert den Hörsinn als kognitive Schlüsselfunktion für Vorstellungskraft, soziale Interaktion und ein gesundes Gehirn bis ins hohe Alter. Prof. Dr. Knipper wies darauf hin, dass Messkriterien wie „Hörschwelle“ oder „Sprache im Rauschen“ heute unbedingt ergänzt werden sollten durch Messverfahren, die Hörschnelligkeit erfassen.

Hier ist ein Umdenken erforderlich: „Hörschnelligkeit ist relevant zur Erfassung zeitlicher und kognitiver Fähigkeiten.“ Die Fähigkeit, sehr schnelle akustische Reize zu verarbeiten, sei essenziell für Sprachverständnis, emotionale Entwicklung und ein stabiles Gedächtnis. Das Hörorgan ist das schnellste Organ des Menschen – mit einer enormen Datenverarbeitungskapazität von bis zu 30 Millionen Bits pro Sekunde, 30-mal so viel wie das Auge.

Vier Herausforderungen für die Zukunft der Hörgesundheit:

Demenzprävention

Hörverlust begünstigt kognitive Degeneration. Prof. Dr. Knipper fordert präventive Strategien, um Demenz und Folgekosten zu vermeiden.

Junge Menschen mit versteckten Hördefiziten

Ein Hörverlust von Frequenzen über 10 kHz wird nicht erfasst. „Hörschnelligkeit“ geht verloren. Neue Hörtests und Produkte müssen her.

Stressbedingte Erkrankungen (z. B. Tinnitus, Hyperakusis)

Hörprobleme lösen Stress aus. Hörtherapie sei ein Mittel, um Stress zu reduzieren, Krankheit zu vermeiden und Schlafstörungen vorzubeugen.

Zentrale Entwicklungsstörungen (z. B. Autismus, Dyslexie)

Fehlentwicklungen der Hörschnelligkeit bei Kindern sind behandelbar und sollten früh erkannt werden, um individuelles Leiden und hohe volkswirtschaftliche Kosten zu vermeiden.

Forderungen für die Qualitätsoffensive Hörgesundheit

Ganzheitlicher Ansatz

Interdisziplinäre Versorgung statt Technikfokus.

Hörtherapie

Kognitive Förderung durch gezielte Therapie.

Patientenzentrierung

Hörakustiker als zentraler Anlaufpunkt für Betroffene. Koordination von HNO, Klinik, Krankenkassen, Hörtherapie, Logopädie etc.

Erweiterte Diagnostik

z. B. Hochtonaudiometrie und kognitive Sprachtests. Zielgruppe: Menschen ab 30 Jahren

Neue Hörgeräte & Hörer

Maximale Frequenzausgabe von 6-10 kHz auf 16 kHz anheben.

Fazit

Am Ende ihrer Keynote forderte Prof. Dr. Knipper ein grundlegendes Umdenken in der Hörversorgung: Der Fokus müsse weg von reiner Technik hin zu Prävention, kognitiver Förderung und ganzheitlicher Begleitung. Ihr Appell: Hörgesundheit beginnt im Kopf – mit dem Bewusstsein für die zentrale Rolle des eigenen Gehörs.

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